Arndt, Ernst Moritz

Aus Stadtlexikon-Bonn

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Ernst Moritz Arndt
Daguerrotypie 1848

Ernst Moritz Arndt (* 26. Dezember 1769 in Groß Schoritz auf Rügen; † 29. Januar 1860 in Bonn), Schriftsteller und Abgeordneter; mit seinen Schriften und Gedichten setzte er sich v.a. für die nationalstaatliche Einigung Deutschlands und die Mobilisierung der Bevölkerung gegen die französische Besatzung ein.

Ernst Moritz Arndt war das, was man nach heutigen Maßstäben einen Haßprediger nennen würde. Er selbst hätte wohl gegen diese Bezeichnung nichts einzuwenden gehabt, schrieb er doch 1813 in seiner antifranzösischen Schrift Über Volkshaß: »Ich will den Haß, festen und bleibenden Haß der Teutschen gegen die Franzosen und ihr Wesen, weil mir die jämmerliche Äfferei und Zwitterei mißfällt, wodurch unsere Herrlichkeit entartet und verstümpert [...] ward; Ich will den Haß, brennenden und blutigen Haß.« Ihn selbst kosteten Pamphlete wie dieses zweimal seine berufliche Stellung.

Geboren wurde Ernst Moritz Arndt auf Rügen als Sohn eines zum Gutsinspektor aufgestiegenen ehemaligen Leibeigenen. Er studierte Geschichte, evangelische Theologie und Völkerkunde in Greifswald und Jena, konnte sich aber zum Pfarrerberuf nicht entschließen. Stattdessen schlug er die akademische Laufbahn ein, wurde 1800 Privatdozent für Geschichte und Philosophie an der Universität Greifswald und 1805 Professor. Seine Angriffe gegen die napoleonische Besatzung machten seiner Tätigkeit jedoch bald ein Ende; Arndt setzte sich nach Schweden ab. 1812 wurde er Privatsekretär des Freiherrn vom Stein und 1818, nach dem Ende der Freiheitskriege, durch dessen Fürsprache ordentlicher Professor der Geschichte an der neugegründeten Universität Bonn, zu deren Errichtung er mit einer 1815 verfassten Denkschrift maßgeblich beigetragen hatte.

Schon 1817 ließ Arndt sich in Bonn häuslich nieder, geriet aber wegen seiner demagogischen Schriften schon bald wieder in Konflikt mit den restaurativen Kräften. Trotz massiven Widerstands von Studenten, Amtskollegen, Rektor und Senat wurde ihm am 10. November 1820 – wenn auch bei vollen Bezügen – die Lehrerlaubnis entzogen. 1826 musste er sein Professorenamt ganz niederlegen. Erst König Friedrich Wilhelm I. rehabilitierte ihn bei seinem Regierungsantritt 1840. 1841 wurde Arndt sogar Rektor der Bonner Universität. 1848 in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt, war er deren Alterspräsident; auch der Delegation, die König Friedrich Wilhelm die Kaiserwürde antrug, gehörte er an. 1849 zog er sich enttäuscht aus der aktiven Politik zurück, blieb aber bis zu seiner Emeritierung 1854 publizistisch tätig.

Auch privat musste Arndt Schicksalsschläge einstecken. 1834 ertrank sein jüngster Sohn Wilibald im Rhein. Arndt selbst starb kurz nach seinem 90. Geburtstag und wurde auf dem Alten Friedhof beigesetzt, wo sich sein Grab noch heute befindet. Sein Bonner Wohnhaus an der Adenauerallee ist heute Museum (→ Ernst-Moritz-Arndt-Haus). Sein 1864 nach Entwürfen des Berliner Bildhauers Afinger gegossenes Standbild steht auf der Terrasse des Alten Zolls.

Zu Lebzeiten wurde Arndt hoch verehrt und gefeiert, seine Schriften führten zur Gründung patriotischer Vereinigungen, in mehreren Städten – auch in Bonn – wurden ihm Denkmäler errichtet, Schulen und Straßen nach ihm benannt. Im 20. Jahrhundert nahmen ihn sowohl die Nationalsozialisten als auch die kommunistischen Machthaber der DDR für sich in Anspruch. – Heute wird Arndts Wirken insgesamt kritischer und differenzierter betrachtet. Gilt er den einen als Demokrat und deutscher Patriot, halten ihn die anderen für einen Nationalisten und Antisemiten. Eine Initiative, die seit 1933 seinen Namen tragende Universität Greifswald umzubenennen, fand bei der Abstimmung im Januar 2010 keine Mehrheit.

Werke: Gedichte, Lieder, politische Flugblätter und Schriften; u. a. "Was ist des Deutschen Vaterland?", "Lieder für Teutsche", "Kommt her, ihr seid geladen"

Web: Portal Rheinische Geschichte

Literatur: Gustav Sichelschmidt: Ernst Moritz Arndt. Berlin 1981.