Marx, Wilhelm

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Wilhelm Marx

Wilhelm Marx (* 15. Januar 1863 in Köln; † 5. August 1946 in Bonn), Jurist und Politiker, Reichskanzler der Weimarer Republik 1923/24 und 1926 bis 1928.

Von allen 15 Reichskanzlern der Weimarer Republik war Wilhelm Marx mit insgesamt drei Jahren und einem Monat der am längsten amtierende. 1925 wäre er fast Reichspräsident geworden; nur knapp unterlag er dem Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg.

Geboren 1863 in Köln als Sohn eines Lehrers, hatte Wilhelm Marx in Bonn Rechtswissenschaft studiert und war als Richter in den preußischen Staatsdienst getreten. Daneben war er in der Zentrumspartei aktiv, für die er von 1899 bis 1918 im preußischen Abgeordnetenhaus und seit 1919 im Reichstag der Weimarer Republik saß. Hier hatte Marx sich einen Ruf als ruhiger Vermittler erworben, der stets auf einen Interessenausgleich hinarbeitete.

1923, nach dem Sturz der Regierung Stresemann, nahm der pflichtbewusste Katholik Wilhelm Marx den Ruf des Reichspräsidenten Friedrich Ebert zum Reichskanzler an. Seine erste Amtszeit dauerte knapp 13 Monate (30. November 1923 bis 15. Januar 1925), die zweite Amtszeit 25 Monate (17. Mai 1926 bis 29. Juni 1928). Während dieser Zeit durchlebte die junge Demokratie einige ihrer zahlreichen Krisen. Die bedeutendste war wohl die Inflation von 1923, auf die Marx mit einer Währungsreform und Sparmaßnahmen reagierte. In seiner zweiten Amtszeit als Kanzler trat Deutschland dem Völkerbund bei. Im Inneren setzte Marx 1926 den mächtigen Generaloberst Hans von Seeckt ab, der die Reichswehr zu einem von der politischen Führung unabhängigen Staat im Staate ausgebaut hatte.

Nach dem Wahlsieg der Sozialdemokratischen Partei (SPD) bei der Reichstagswahl vom 20. Mai 1928 legte Wilhelm Marx auch sein Amt als Vorsitzender des Zentrums nieder und zog sch langsam aus der Politik zurück. 1932 verzichtete er auf sein Reichstagsmandat und lebte zurückgezogen in Bonn, wo er am 5. August 1946 starb. Beigesetzt wurde er nach einem Requiem in der Bonner Elisabethkirche auf dem Kölner Melaten-Friedhof.

Ulrich von Hehl: Wilhelm Marx 1863–1946, eine politische Biographie. Mainz 1987.